Aus meinem Leben Vom Transporter zum Campervan

Vom Transporter zum Campervan

Seitdem ich in Neuseeland mehrere Monate mit dem Auto gereist bin, war ein eigener Camper ein Lebenstraum von mir, den ich mir irgendwann erfüllen wollte. Keine andere Art des Reisens erfüllt mich so sehr mit Freude und gibt mir gleichzeitig die Freiheit selbstbestimmt unterwegs zu sein, ohne Zeitdruck oder großartige Vorausplanung und immer mit meinem eigenen kleinen „Haus auf Rädern“ dabei.

2020 war für mich ein sehr aufwühlendes Jahr. Ich hatte gerade einen Job angefangen, der es mir ermöglichte von überall zu arbeiten und war nebenbei im Bewerbungsverfahren für ein kanadisches Working Holiday Visum. Ende Februar hatte ich die Bestätigung für mein Visum erhalten und dann kam alles anders. Die komplette Welt stand von einen auf den anderen Moment Kopf. Auch meine Welt.

Es vergingen Tage in denen ich nicht so recht wusste, wie es weitergeht und dann war da wieder dieser Traum. ‚Wenn nicht jetzt, wann dann?‘ ist irgendwann mein Leitgedanke geworden und ich konnte diesen Lebenstraum nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Im Mai habe ich angefangen nach Fahrzeugen zu suchen, im Juni wurde die Suche konkreter und im Juli habe ich tatsächlich meinen VW T6 gefunden. Unglaublich!

Ich hatte mir also einen weißen Transporter gekauft, dessen Ladefläche nur noch darauf wartete, ausgebaut zu werden und so startete das Projekt.

Bevor es so richtig losging, war ich schon tagelang damit beschäftigt gewesen, jedes Detail im Bus genau auszumessen, Skizzen anzufertigen und den Ausbau zu planen. Ich habe viel recherchiert, mir verschiedene Layouts und Innenraumgestaltungen durch den Kopf gehen lassen und am Ende hatte ich unglaublich viele Zettel mit Maßen und meinen Vorstellungen für den Busausbau. Ich hatte Glück, dass mich mein Papa bei meinem Vorhaben unterstützte und so konnten wir uns schon kurze Zeit später gemeinsam an die Umsetzung machen.

Step 1: die Isolierung

Als erstes musste der gesamte Innenraum des Busses isoliert werden. Wir haben uns hier für Armaflex* entschieden und alle Wände, Decke & Boden damit isoliert. Die Holme der Seitenwände haben wir allerdings frei gelassen, um nicht so viel vom Raum wegzunehmen und weil ich zum Teil die Original-Seitenverkleidung wieder nutzen wollte.

Step 2: der Grundriss & grobe Ausbau

Nachdem der gesamte Wohnbereich des Busses isoliert war, ging es weiter mit der Konstruktion im Innenraum, die größtenteils aus Holz besteht. Wir haben viel „Holzreste“ verarbeitet, die es entweder günstig im Baumarkt gab oder die jemand aus meiner Familie oder meinem Bekanntenkreis übrig hatte. Auch Schrauben, Scharniere, Winkel, Haken oder Verschlüsse hatte der ein oder andere noch Zuhause und wir haben vieles davon verwenden können, ohne es neu kaufen zu müssen. Auch die Bodenplatte, die schon im Bus drin war, konnten wir verwenden und haben darauf alles aufgebaut.

Mein Ausbau sollte im Groben wie folgt aussehen:

  • ich wollte ein Bett im hinteren Bereich des Busses, von dem aus man eines Tages direkt auf den Strand und das Meer schauen kann 🙂
  • der Bereich zwischen Wohn- & Fahrraum sollte frei bleiben, damit ich zur Not auch mal direkt losfahren kann ohne aus- & umzusteigen
  • ich wollte ein festes Bett, das man nicht umbauen muss & habe dafür 2 Varianten: ein einzelnes Bett mit Lounge-Bereich in Form eines L am hinteren Ende oder ein Doppelbett
  • alles musste so konzipiert sein, dass man immer und überall dran kommt, ohne etwas umbauen zu müssen
  • ich wollte eine Toilette ‚an Bord‘ haben
  • einen Schrank & Kochbereich brauchte ich auch: dafür bot sich der Platz an der Schiebetür bis nach hinten zur Heckklappe an
  • bei der Küche war mir wichtig, dass ich sie auch von Innen, bei schlechtem Wetter z.B., nutzen kann

Step 3: die Elektrik

Davor graute es mir am meisten! Eine ehemalige Mitschülerin meines Physikkurses sagte einmal: „Nachdem ich einen Stromkreis aufbauen musste, weiß ich wie die Hölle aussieht.“. So oder so ähnlich erging es mir wohl auch und selbst mein Papa war, was das anging, ein wenig ratlos. Zum Glück kennt sich mein Opa umso besser mit Elektrik-Angelegenheiten aus und als gelernter KFZ-Schlosser stand er mir immer helfend zur Seite. Wir haben uns dafür entschieden eine zweite Batterie im Bus zu installieren, die nur für den Wohnbereich genutzt wird. Diese wird sowohl während der Fahrt von der normalen Autobatterie mit geladen, kann aber auch, bei längerem Stehen, über ein Solarpanel aufgeladen werden. Gemeinsam mit meinem Opa haben wir die zweite Batterie angeschlossen, Kabel verlegt, den Solarregler für mein Solarpanel eingerichtet und am Ende wurde mir auch der Schaltplan genau erklärt. 🙂

Über die Batterie kann ich mein Handy & meinen Laptop problemlos über 12V-Steckdosen* laden & die Wasserpumpe meiner kleinen Küche läuft auch darüber. Wenn ich einmal auf einem Campingplatz stehe, kann ich über eine extra eingebaute Steckdose den Landstrom-Anschluss und so auch 230V nutzen.

Step 4: Funktionalität – mein Schrank

Meinen Schrank habe ich so konzipiert, dass er zum einen Stauraum für Klamotten, Geschirr & Küchenutensilien bietet, aber zum anderen auch als Tisch genutzt werden kann, z.B. zum Essen, wenn das Wetter schlecht ist und man lieber im Bus bleiben möchte oder zum Arbeiten am Laptop etc.

Er besitzt zwei Fächer, die über eine Klappe nach unten geöffnet werden können, so hat man von jeder Seite aus Zugriff, und ein großes, offenes Fach darunter, wo sich Kochtöpfe, Pfannen und auch Lebensmittel befinden. Die Seite, die nach vorn und Richtung Schiebetür zeigt, ist gleichzeitig Kochnische und die Seite, die nach hinten und zur Heckklappe zeigt, kann als kleine Garderobe verwendet werden.

Step 5: die Küche

Wie schon erwähnt, befindet sich mein Kochbereich direkt am Eingang der Schiebetür und ragt ein wenig über die Breite der Türöffnung hinaus. Das hat mehrere Gründe: zum einen war ich der Meinung, dass ein kleinerer Eingangsbereich vollkommen ausreichend ist und zum anderen bietet die Küchenfront zugleich Platz für einen kleinen ausklappbaren Tisch. Verbaut habe ich dafür einen fertigen Bausatz für Spüle, Wasserpumpe, Kanister & Anschlüsse*. Das Waschbecken befindet sich unter einer Abdeckung, die man nach oben und vorn klappen kann und so einen erweiterten Kochbereich hat. Ich habe mich dafür entschieden keine Kochplatten oder einen festen Kochbereich zu verbauen, sondern nutze einen tragbaren Campingkocher*, den man auch mal mit nach draußen nehmen kann, um z.B. auf einem nahegelegenen Picknickplatz o.ä. zu kochen. Für die Wasserversorgung habe ich zwei kleine 12L-Wasserkanister für Frisch- & Abwasser.

Ich wollte unbedingt eine Kochmöglichkeit im Bus haben, die sowohl bei gutem, als auch schlechtem Wetter nutzbar ist, d.h. die man sowohl von innen im Bus, als auch von außen nutzen kann. Die Umsetzung, die ich dafür gewählt habe, ist für mich perfekt und erfüllt alle Zwecke. 🙂

Step 6: mein Bett

Bei meinem Bett habe ich, wie vorher schon kurz beschrieben, zwei Varianten. Der Bereich hinten am Heck ist fest und bietet somit entweder eine Art „Loungebereich“ in Form eines L (so kann man auch super über Eck am „Schranktisch“ sitzen) oder kann durch die zusätzliche Fläche zum Doppelbett umfunktioniert werden. Mein Bett hat die Maße 190x130cm, was für mich absolut ausreichend ist. Glücklicherweise habe ich auch zwei faltbare Matratzen mit den Maßen 180x65cm* gefunden, die perfekt zu meinem Ausbau gepasst haben.

Step 7: das Innendesign & die Dekoration

Bei der Dekoration im Bus hat mir meine Mama unter die Arme gegriffen und mir Vorhänge für mein hinteres Fenster und den Bereich zwischen Fahr- und Wohnraum genäht.

Um den Anstrich der Seitenwände habe ich mich selbst gekümmert und auch einige Extras in meinen Bus integriert, wie z.B. ein Deckendesign mit Weltkarte oder verschiedene Oberflächen, die mit Tafelfarbe* gestrichen wurden und mit Kreide beschriftet werden können.

Ansonsten ist meine Innenraum-Dekoration eher einfach und schlicht gehalten. Es muss ja auch alles während der Fahrt an Ort und Stelle bleiben.

Ich habe lediglich zwei Lichterketten, eine Korkwand* & einen Polsterbezug für meine Toilettenabdeckung im Bus ergänzt, die dem Ganzen einen wohnlichen & gemütlichen Eindruck verleihen.

Step 8: Let’s go camping

Nach nur 3 Wochen war mein Bus fertig und zum ersten Einsatz bereit! Ich konnte es selbst kaum glauben. 🙂

Die ersten Nächte im Bus verbrachte ich nur unweit von meiner Heimat entfernt, später folgte ein Trip in die Sächsische Schweiz und danach meine beiden Roadtrips im Herbst 2020: Österreich-Deutschland & Mitteldeutschland.

Ich hoffe, der Beitrag hat euch gefallen und ihr konntet einen Einblick in mein Projekt „Vom Transporter zum Campervan“ bekommen. Wenn ihr noch Fragen habt oder Anregungen/ Ideen/ Wünsche, schreibt es mir gern in die Kommentare. 🙂

Auf meinem Instagram-Profil findet ihr den Ausbau ebenfalls Step-by-Step dokumentiert.

Außerdem durfte ich auf dem Vanlife-Blog der @salty.roamers ein Interview geben, welches ihr auf mein-camperausbau.de nachlesen könnt. 🙂


Hier findet ihr einige der Produkte, die ich für meinen Ausbau verwendet habe oder die sich in meinem Bus befinden:

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4 Kommentare

  1. Kai Gwosch says:

    Super gemacht… cooler Ausbau. Steht mir auch noch bevor. LG Kai

    1. says:

      Vielen Dank! 🙂 & gutes Gelingen beim Ausbau!

  2. says:

    Genau nach meinem Geschmack.
    DANKE für die Inspiration 😍

    1. says:

      Sehr gerne! 🙂

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